24.02.2012

Chorleiterfortbildung

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Jubiläum

Um sein Jubiläum angemessen zu feiern, hatte der Fachverband Deutscher Berufschorleiter (FDB) sich ein Ambiente vom Allerfeinsten ausgesucht. 1. Vorsitzender Michael Rinscheid hatte die Mitglieder des Verbandes und die Ehrengäste am Sonntag, 07. März 2010, in den illustren Festsaal von Schloss Waldthausen in Budenheim bei Mainz eingeladen. Damit waren alle Voraussetzungen gegeben, dass der Festakt von den Teilnehmern als Sternstunde akademischen Feierns eingestuft werden konnte. Das Programm bestach durch qualitativ hervorragende Leistungen ebenso wie durch einen ausgewogenen Wechsel der musikalischen Genres.So spielten die Mainzer Dombläser zur Eröffnung der Feier zwei Werke aus der Renaissance und demonstrierten unnachahmlich ihre Freude am virtuosen Spiel. Mit imponierender Leichtigkeit meisterten sie technisch schwierigste Figuren und bewiesen jederzeit, dass man sehr wohl auf Blechblasinstrumenten ein kammermusikalisch durchsichtiges Klangbild erzeugen kann.

Auf den Bläservortrag folgte die Begrüßungsrede mit dem Thema „Chorgesang, Chorleitung und Kultur im Wechsel der Zeiten“ von Michael Rinscheid. In seinen Ausführungen verwies er auf die große Bedeutung des Verbands in der Vergangenheit, hob die Verdienste eines Mathieu Neumann oder eines Kurt Lissmann hervor, übte Kritik an modischen oder pseudomodernen Überlebensversuchen von Chören, die ihre Existenz nach wie vor auf ein egoistisch geprägtes Vereinsdenken gründeten und damit dem eigenen Untergang Vorschub leisteten, ließ andererseits aber nicht die geringsten Zweifel daran aufkommen, welche großartigen Chancen sich den Chören in der Zukunft böten und welch umfangreiches Aufgabenfeld der FDB zu bearbeiten habe. Die rhetorische Prägnanz in Rinscheids engagiertem Vortrag ließ niemals Langeweile aufkommen; fundierte Sachkenntnis und ein gehöriger Schuss Humor luden die Zuhörer immer wieder zum Nachdenken und zum Schmunzeln ein.

Danach gab Musikdirektor FDB Jens Röth mit seinem Männerchor „Frohe Stunde“ aus Weroth mehrere Kostproben meisterlichen Chorgesangs, angefangen mit der anspruchsvollen 5-stimmigen Motette „Soave fia il morir“ von G. P. da Palestrina über Erasmus Widmanns munteres Madrigal „Wohlauf, ihr Gäste“ bis hin zum schmissigen Shanty „What shall we do with the drunken sailor“ im Satz von Robert Shaw. Stilistisch treffend und intonationssicher trug der Chor seine Werke vor.

In Vertretung für Karl Wolff, den durch Glatteis an seinem Eintreffen gehinderten Präsidenten des Chorverbands Rheinland-Pfalz, überbrachte Walter Winkler, stellvertretender Präsident des Landesverbands, die Glückwünsche.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die erstmalige Verleihung des „Arnold-Kempkens-Preises“, die bei dieser Gelegenheit an Diplom-Kapellmeister Winfried Siegler, Musikdirektor FDB, erging. Im Bereich der Laienchormusik hat Siegler sich zahllose Verdienste erworben. Sein Lebenswerk umfasst Erfolge als Chorleiter und als Orchesterdirigent, als Leiter der Chorleiterschule des Hessischen Sängerbundes und als Komponist, als Pianist und als international gefragter Juror. Sichtlich bewegt nahm Winfried Siegler die Auszeichnung unter dem Applaus der Festgesellschaft entgegen. Seinen Dank kleidete Siegler geschickt in kleine Anekdoten, die seine enge Verbindung zu Arnold Kempkens zu erkennen gaben.

Fortgesetzt wurde die Feier mit Chorvorträgen von „Belcanto Linsengericht“ unter Leitung von Musikdirektor FDB Gerd Zellmann. Nach Javier Bustos „Ave Maria“ und Miklós Pástzis „Lamento“, vorgetragen mit selten zu hörender stimmlicher Ausgewogenheit, betörend schön im Sopran, folgte das Spiritual „I couldn’t hear nobody pray“ im Satz von Hall Johnson. Keine Frage, dass die Zartheit des Ausdrucks und die Wärme des Klangs dem Chor und der Sopran-Solistin eine Zugabe abverlangten. Mit „Blessing of Aaron“ im Satz von Norman Ramsey lieferten Zellmann und sein Chor eine Interpretation, die sowohl der ergreifenden Schlichtheit des Satzes gerecht wurde als auch die Schönheit eines idealen Chorklangs spüren ließ.

Im Schlusswort spannte Michael Rinscheid den Bogen über das gesamte Jubiläumsjahr. Schon im April steht eine Reise nach Schweden auf dem Plan. Dabei werden die FDB-Mitglieder herausragende Chöre, u. a. den Weltklasse-Männerchor „Orphei Drängar“, live erleben, betreut von Ehrenmitglied Robert Sund. Ein weiterer Leckerbissen ist das Konzert zum Jubiläumsabschluss am 12. Dezember im Kulturwerk Wissen, in dem wiederum die Mainzer Dombläser mitwirken.

Mit Vorträgen der Mainzer Dombläser klang auch die kurzweilige Feierstunde in Budenheim aus. Nun warteten die Ausnahme-Instrumentalisten mit peppig-fetzigen Reißern auf, zunächst mit einer Jazz-Bearbeitung „Just a closer walk“ und schließlich mit einer nicht minder aufwühlenden Bearbeitung des Can-Can aus Jacques Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“. (Willi Kastenholz)

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