Keine Termine vorhanden


FDB-Studienreise 2014 nach Prag

Zehn deutsche Chorleiter/innen erleben eine Fülle musikalischer Hochgenüsse

Nach zwei bestens gelungenen Reisen nach Schweden (2010) und Österreich (2012, Spittal) stand in diesem Jahr Prag, die „Goldene Stadt“ mit dem unvergleichlichen Reichtum an kulturellen Gütern, auf dem Programmzettel des FDB. Um es gleich vorwegzunehmen, diese Reise hatte es in jeder Beziehung „in sich“, die Teilnehmer kehrten reich beschenkt aus der Moldau-Metropole zurück.

Gestartet wurde am Montagmorgen, 07. April, 7.05 Uhr, vom Flughafen Köln aus. Pünktlich waren zwei Damen und acht Herren eingetroffen, um nach einstündigem Flug den georderten Mini- Bus zu besteigen und wenig später im zentral gelegenen Hotel Yasmin einzuchecken. Dank der perfekten Organisation des 1. Vorsitzenden, Michael Rinscheid, unterstützt vom Prager Prof. Miroslav Košler, lief das gesamte Programm wie am Schnürchen ab.

Schon in der Mittagszeit lernten wir unter kundiger Führung die Prager Alt- und Josephstadt kennen, genossen das herrliche Wetter und erfrischten uns mit einem Getränk in einem Schiffsrestaurant auf der Moldau. Die Fortsetzung der Stadtbesichtigung mit Besuch der Prager Burg und Veitsdom war für Dienstagnachmittag angesetzt, der Montagabend war mit dem Besuch einer Probe des Chors der Karls-Universität ausgefüllt. Hier erlebten die Reiseteilnehmer einen ausgezeichneten Chor beim Einstudieren von Antonin Dvořáks packendem Stabat mater. Anschließend konnten alle erfreut feststellen, wie gut ein Glas Pilsener Urquell schmeckt und wie wenig es in Prag kostet.

Der Dienstagmorgen wartete mit einem Highlight der besonderen Art auf: Im Rudolfinum, einem ausgesprochen schönen Konzertsaal, waren die Teilnehmer als Zuhörer bei der Probe des Prager Philharmonischen Chores und der Tschechischen Philharmonie zugelassen. Unter dem Dirigat von GMD Manfred Honeck wurde der letzte Schliff an Verdis Requiem vorgenommen. Alle wurden von einer unbeschreiblichen Spannung erfasst, Solisten, Chor und Orchester leisteten Vorbildliches. Kein Wunder also, dass man sich auf die Aufführung am folgenden Mittwochabend freute. Und tatsächlich, die Aufführung im voll besetzten Rudolfinum wurde zu einem grandiosen musikalischen Ereignis. Selten wird man Verdis Monumentalwerk mit solcher Intensität dargeboten bekommen wie an diesem Abend in Prag. Aber auch schon der Dienstagabend war mit einem musikalischen Großereignis ausgeklungen, einer Opern-Aufführung in der Prager Staatsoper. In dem herrlichen Ambiente des  Raums sorgte Verdis Nabucco für eine starke Wirkung.

Am Mittwochnachmittag traf die Reisteilnehmer ein wahrer Paukenschlag. Frau Košler, die Gattin unseres Verbandsmitglieds Prof. Miroslav Košler, hatte die Gruppe in den Probesaal des Prager Philharmonischen Kinderchors begleitet. Vorher waren alle darüber informiert worden, dass es sich um den besten tschechischen Chor dieser Gattung handele. Was das aber besagte, erfuhren wir erst, als wir den Chor leibhaftig zu sehen und zu hören bekamen. Die Kinder und Jugendlichen bewältigten Chorwerke im höchsten Schwierigkeitsgrad, als gäbe es kaum etwas Einfacheres. Man hatte den Eindruck, das Problem der Intonationsreinheit existiere nicht. Da wunderte es keinen, dass dieser Chor Einladungen aus der ganzen Welt erhält und alles, was es bei Wettbewerben zu gewinnen gibt, längst im Archiv untergebracht hat. Und dann am Abend Verdis Requiem…

Der letzte Vormittag der Reise, Donnerstag, war für Packen und Einkaufen reserviert. Nach Mittag aber sollte noch Zeit für ein Sahnehäubchen bleiben. Wieder von Frau Košler geführt, trafen wir gegen 16.00 Uhr im Prager Konservatorium ein, um dort bei einer Lektion in Chorleitung in der Klasse des 82-jährigen Prof. M. Košler zu hospitieren. Es war eine faszinierende Erfahrung, dass gekonntes Chorleiten nicht mit dem richtigen Taktschlag und sauberer Tonangabe getan ist. Das sind nur die elementaren Voraussetzungen. Der wahre Chorleiter, und als ein solcher erwies sich Prof. Košler in beeindruckender Weise, muss zuallererst ein guter Musiker sein, und das ist mehr als alle Schlagtechnik bewerkstelligen kann. Natürliches Atmen, Bögen sinnvoll spannen, Phrasen abgrenzen, Gespür für Organisches …, diese und andere Kriterien sind es, nach denen sich die Spreu vom Weizen trennen lässt. So bot ein wunderbarer Einblick in die tiefe Musikalität eines großen Künstlers den Abschluss des musikalischen Programms dieser FDB-Prag-Reise.

Perfekt wie die Hinreise verlief die Rückreise nach Köln. Die Teilnehmer waren allesamt begeistert. Herzlichen Dank an Michael Rinscheid, der wieder einmal sein hervorragendes Organisationstalent bewiesen hat!

Willi Kastenholz

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein von Engelhart. Permanenter Link des Eintrags.