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FDB-Studienreise 2012 nach Spittal (Österreich)

Impressionen einer Reise

Ziel der ersten Studienreise des FDB im Jahr 2010 war Schweden gewesen, und nach allem, was es darüber zu hören und zu lesen gab, muss die Unternehmung für alle Teilnehmer ein einzigartiges Erlebnis gewesen sein. Kein Wunder also, wenn unter den diesjährigen Teilnehmern durchaus Skepsis aufkam, ob denn die Reise in das kleine, etwas abseits gelegene Alpenstädtchen Spittal an der Drau auch nur annähernd einem Vergleich würde standhalten können.

Um es vorwegzunehmen, die hoch gesteckten Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sie wurden in jeglicher Hinsicht weit übertroffen. Ob die Unterkunft und Verpflegung im idyllisch gelegenen Hotel „Landhof Simeter“, ob die Chemie in der 11-köpfigen Reisegruppe, ob die freundliche Witterung und das schier überwältigende musikalische Programm: Alles war bis ins Detail mit großer Umsicht und Sorgfalt vorbereitet, alle Programmpunkte waren zielgenau auf die Teilnehmergruppe abgestimmt. Für die Mühen der Planung und Durchführung gebührt unserem Vorsitzenden, Michael Rinscheid, und unserem ortskundigen Kollegen, Hubert Reuter, der in Spittal offenbar so etwas wie die Rechte eines Einheimischen genießt und der die Fäden der Organisation unablässig in der Hand hielt, unser aller herzlichster Dank.

Schon der Ankunftstag, Donnerstag, 5. Juli, hatte es in sich. Nach gemeinsamem Abendessen im Hotel ging es per Taxi, das uns zu jeder Tages- und Nachtzeit auf Abruf zur Verfügung stand, ins Städtchen hinunter, genauer in das mit beeindruckendem Ambiente und mit hervorragender Akustik ausgestattete Schloss Porcia. Der veranstaltende Chor, der „Singkreis Porcia, Spittal“ unter Leitung von Bernhard Wolfsgruber, eröffnete mit einem Begrüßungskonzert den 49. Internationalen Chor-Wettbewerb und bedachte darin jeden einzelnen Teilnehmerchor mit einem Vortrag in dessen Landessprache. Sicher keine leichte Aufgabe, denn unter den zehn zugelassenen Chören befand sich auch je ein Vertreter aus Slowenien, Ungarn, Japan, Indonesien oder Südafrika.

Als besondere Annehmlichkeit empfanden wir, dass bei allen Konzerten für unsere Gruppe Topp-Plätze in dem vollen Haus reserviert waren, wir also – trotz großen Andrangs – nie anstehen oder gar warten mussten.

Am Freitagmorgen wurden wir vom Leiter und Begründer des Wettbewerbs, Prof. Hellmuth Drewes, persönlich in den wunderbar restaurierten Räumen des Schlosses empfangen und bewirtet. Anschließend durften wir exklusiv die Akustikprobe aller Chöre miterleben. Nach Mittag nahm sich Prof. Drewes sogar noch die Zeit, uns die Eigenheiten des kärtnerischen Volkslieds zu erläutern und einige Lieder mit uns zu singen, womit er uns ein unverhofftes Vergnügen bereitete. Am Abend traten die Chöre zum Volkslied-Wettbewerb an, bei dem vorzügliche Leistungen geboten wurden. Gewinner war am Ende der Kammerchor KlangsCala aus Salzburg, dicht gefolgt von den Chören aus Laibach (Slowenien) und Tokio (Japan).

Plichtchor-Wettbewerb und Kunstlied-Wettbewerb waren die Haupt-Programmpunkte am Samstag. Vormittags hatten die Chöre ihre drei Pflichtstücke (Gallus, Stanford und Thurnher) vorzutragen, am Abend standen die Werke eigener Wahl auf dem Programm. Was von den Chören verlangt wurde, grenzte ans Unvorstellbare. Ein sehr breites und schwieriges Programm galt es durchzustehen, während die Ruhezeit stark eingeschränkt war. Schon kurz nach 6:00 Uhr z. B. beendete der Chor aus Südafrika unseren Schlaf mit Einsingübungen auf einer hotelnahen Waldlichtung, damit er für den Wettbewerb ab 9:30 Uhr stimmlich gerüstet war. Erst nach Mitternacht wurden die Ergebnisse bekanntgegeben, und der nächste Tag stellte die Chöre wieder vor neue Herausforderungen. Den Sieg am Sonntag (Kunstlied) konnte der von Sebastjan Vrhovnik geleitete Chor APZ Tone Tomsic aus Laibach mit einer grandiosen Darbietung erringen. Den zweiten Platz erreichte der Chor aus Errenteria (Spanien) vor dem Chor aus Tokio, dessen jugendliche Sängerinnen und Sänger sich zum zweiten Mal über einen dritten Platz freuen durften.

Der Sonntagvormittag stand im Zeichen sakraler Musik. Jeder Chor musste um 10.00 Uhr in einer Kirche einen Gottesdienst musikalisch gestalten und sich ab 11:00 Uhr zum Offenen Singen im Stiftshof (Milstatt) einfinden. Bei strahlendem Sonnenschein erklangen Volkslieder aus aller Herren Länder, eine passende Gelegenheit für die FDB-Abordnung, sich bei Prof. Hellmuth Drewes und dem Singkreis Porcia für die freundliche Einladung und zuvorkommende Betreuung zu bedanken. Unter dem Beifall der Juroren, der teilnehmenden Chöre und der zahlreichen Zuhörer überreichte Michael Rinscheid die mit Widmungsgravur versehenen Geschenke. 

Am gleichen Nachmittag fand sich Prof. Felix Resch, einer der Juroren, im Hotel Simeter zu einer Gesprächsrunde ein und gab bereitwillig Auskunft auf Fragen, die sich auf Chor-Wettbewerbe im Allgemeinen und auf den Spittaler Porcia-Wettbewerb im Besonderen bezogen. Den eigentlichen musikalischen Abschluss des Wettbewerbs und damit unserer Reise bildete das Preisträgerkonzert am Sonntagabend, in dem die drei prämierten Chöre noch einmal eine Auswahl an Werken in mustergültigen Interpretationen zu Gehör brachten.

Zu Ende ging das Konzert mit einem sehr persönlichen Wort von Hellmuth Drewes, der nun für 2013 diesen unvergleichlichen Wettbewerb zum 50. Mal proklamieren konnte. Er schaute aber auch zurück und bedankte sich bei allen Akteuren. Es war mehr als nur eine freundliche Geste, als der knapp 80-Jährige schließlich das Wort an Michael Rinscheid und die anwesenden FDB-Chorleiter richtete. Er hob lobend die nachahmenswerte Idee des FDB heraus, der durch das Miterleben solcher chorischen Highlights seinen Mitgliedern prägende Einblicke in das internationale Chorleben verschaffe und zugleich ungeahnte Chancen für die Steigerung der eigenen Arbeit eröffne.

Am Montag, 9. Juli, endete die zweite FDB-Studienreise ins österreichische Spittal. In Bezug auf chorische Hochgenüsse war sie ganz sicher jedem Vergleich gewachsen, ihr perfekter Verlauf hat das Attribut „Harmonie“ in jeder Beziehung verdient. (Willi Kastenholz)

 

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein von Engelhart. Permanenter Link des Eintrags.